Samstag, 11. Juli 2020

The 9/11 Machine


Greg Enslen: The 9/11 Machine
Gypsy Publications, Troy 2015

Bei den Anschlägen vom 11.9.2001 verliert der Physiker Dr. Donald Ellis Frau und Tochter. Also baut er sich eine Zeitmaschine, die ihn zurückschicken kann, lange vor die tragischen Ereignisse. Das ist zwar nicht ganz so einfach, wie es hier klingt, aber er schafft es. Ausgestattet mit Beweisen und genügend Informationen über die Zukunft etabliert er sich als Unternehmer, scheffelt ordentlich Geld und baut eine neue Maschine, während er die Regierung überzeugt, dass seine Warnungen ernst zu nehmen sind. Das gelingt ihm sogar und Maßnahmen werden ergriffen.
Leider geht Dons Unternehmen gründlich schief. Die Anschläge finden trotzdem statt, zeitlich verschoben oder mit anderen Zielen, weil die Attentäter durch die ungeschickten Überwachungsversuche der Behörden gewarnt werden. Und das nicht nur einmal. Es gelingt Don Ellis immer wieder, eine neue und verbesserte Maschine zu bauen, mit der er wieder in die Vergangenheit reist, um es nochmal zu versuchen, aber irgendwie wird alles nur noch schlimmer. Es sind alles neue Zeitlinien, in denen er sich zum Teil selbst begegnet und sein jüngeres Ich zur Zusammenarbeit bewegt. Mal ist es Clinton oder George Bush, mal Dick Cheney, mal Al Gore als Präsident. Sie lassen sich alles irgendwie überzeugen, doch sind es meist die Handlungen danach, die zur Katastrophe führen. Am schlimmsten vermasselt es der anfangs so positiv aussehende Gore. Die USA und ein großer Teil der Welt verwandeln sich in eine radioaktive Wüste. Völlig verstrahlt rettet sich Don in die Zukunft, wo man ihn heilen kann. In einem letzten Versuch – ohne die Regierung einzubeziehen – gelingt es ihm, die Auswirkungen von 9/11 zu begrenzen: auf das, was wir aus unserer Realität kennen, wie man plötzlich merkt.
Das Buch ist ein Wissenschafts-Thriller, der einen nicht mehr loslässt. Es ist haarsträubend, wie detailliert beschrieben wird, was alles anders läuft und zu immer größeren Katastrophen führt. Man erwartet zwar, dass Don es noch schafft, diese Realität zu verlassen, aber es wird jedes Mal knapper. Nebenbei finden wir ein nicht unbeträchtliches Maß an Kritik an den Präsidenten und ihrem Charakter. Obama kommt als Einziger halbwegs gut dabei weg. Wenn das Buch ein paar Jahre später geschrieben worden wäre: Trump … Unvorstellbar, was für eine Apokalypse sich der Autor für den hätte ausdenken mögen.

2020



Samstag, 28. März 2020

Boundary-Trilogie


Eric Flint & Ryk E. Spoor
Boundary / Treshold / Portal
(Baen Books)

Eine hard SF Trilogie, die wohl wenig Chance hat, auf dem deutschen Buchmarkt aufzutauchen – obwohl Eric Flint durchaus kein Unbekannter mehr ist. Mit „1632“ schuf er den genialen Auftakt zu einer Serie, die inzwischen fast unüberschaubar geworden ist und an der sich eine Reihe anderer Autoren beteiligt. Offenbar ist Flint ein Autor, der sehr gut in Kooperationen arbeitet, denn man findet ihn fast nur in solchen.
Die Trilogie wird bei Lesern, die sich gern mit detaillierten Beschreibungen wissenschaftlicher Zusammenhänge und technischer Vorgänge unterhalten lassen, auf Zuspruch stoßen. Andere werden sagen, dass es die Autoren vielleicht hier und dort übertrieben haben. Da die Handlung in der nahen Zukunft spielt, sind die erwähnten Beschreibungen entweder korrekt oder zumindest mit heutigen Erkenntnissen vorstellbar. Eine wichtige Rolle spielt dabei z.B. die Nanotechnologie.
Leider kommen bei all den Fakten die Personen ein wenig zu kurz. Es gibt etwa 5 – 10 Leute, um die es hauptsächlich geht, wobei sich jedoch kaum ein Hauptcharakter findet. Bis auf sehr wenige bleiben die Figuren auch recht blass. Das macht die Lektüre insgesamt schwierig.
Die Handlung beginnt damit, dass Paläontologen die Überreste eines außerirdischen Wesens finden, das die Erde zur Zeit der Auslöschung der Dinosaurier besuchte. Es ist schon interessant, auf welche Probleme sie dann in der wissenschaftlichen Welt stoßen. Aber schließlich wird die Entdeckung akzeptiert.
Dann findet man im Zuge der Erforschung des Mars auf dem Phobos eine halb zerstörte Basis derselben Außerirdischen und damit geht es dann Schlag auf Schlag. Scheinbar hatten diese Wesen überall im Sonnensystem Stützpunkte, von denen einige noch halbwegs intakt gefunden werden.
Genau das ist das Problem, denn es beginnt ein Wettlauf, diese Orte zu finden und in Besitz zu nehmen. Nicht so sehr zwischen Staaten, eher sind es die privaten Raumfahrtunternehmen, die versuchen, das Rennen um die außerirdische Technologie zu machen. Es kommt sogar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen im Weltraum. In deren Folge stranden die Überlebenden zweier Raumschiffe am Ende des zweiten Bandes auf dem Jupitermond Europa.
Letzten Endes bekommen sie eines der Schiffe wieder hin und kehren zur Erde zurück, nicht ohne vorher in den Tiefen des Europa-Ozeans unter dem Eis Nachfahren der Außerirdischen entdeckt zu haben.
Eins schafft man mit der fortwährenden Beschreibung wissenschaftlicher Forschung und von technischen Details: Fast alles wirkt glaubhaft. Ich konnte mich nur mit der Idee nicht so recht anfreunden, dass man notgedrungen ein 65 Millionen Jahre altes Raumschiff der Aliens wieder flugbereit machen kann, um das andere Schiff zum Jupiter zu verfolgen.
Was übrigens nicht vorkommt, ist so etwas wie ein Stargate – der Titel „Portal“ des dritten Bandes ist da ein wenig irreführend. Ein solches finden die Raumfahrer nirgends.
Also SF im Stile Hogans vielleicht, mit viel science, angereichert mit Wirtschaftsspionage, Raumfahrttechnik und der einen oder anderen Beziehungskiste.

2015

Peacemaker


C. J. Cherryh
Peacemaker
DAW Books, New York 2014
Cover von Todd Lockwood

Am Ende des neuen Buches aus dem „Foreigner-Universum“ stand der Schock: Kann das vielleicht sogar der letzte Teil gewesen sein? Es ist der 15. Band und er endet nicht nur ungewöhnlich versöhnlich für Cherryh, sondern auch noch mit einem geschichtlichen Überblick. Nun ja, nach 15 Romanen kann man die Sache irgendwann auch abschließen.
Jedenfalls spielt sich immer noch alles in den Tagen kurz vor dem wichtigen 9. Geburtstag des Thronerben auf der Welt der Atevi ab. Aber statt sich den Vorbereitungen dieses als Staatsfeiertag geplanten Ereignisses widmen zu können, müssen Bren Cameron und seine Begleiter – einschließlich des Thronerben – erst einmal insgeheim in die Hauptstadt zurück, denn sie wären im letzten Band ja fast Opfer eines weiteren Anschlages geworden. Bren hatte da seine Diplomatenrolle ein wenig beiseitegeschoben und mit seinen Kräften zurückgeschlagen. Nun müssen sie schnell handeln, denn endlich ist herausgekommen, wer hinter all den Problemen der letzten Bände steckte. Tatsächlich ist es eine einzige Person in hochrangiger Stellung in der Assassinen-Gilde, welche bei den Atevi die Exekutive darstellt. Dieser „alte Mann in einem kleinen Büro“ hat seit Jahrzehnten Fäden gesponnen und Pläne geschmiedet, um seine Vorstellungen von einem Atevi-Staat durchzusetzen.
Eine so komplexe Intrige glaubhaft darzustellen und sie dann in einem fulminanten Finale aufzulösen, können sicher nur wenige Autoren so gut wie Cherryh. Wieder muss Bren an vorderster Front stehen, praktisch im Kugelhagel, weil er der Einzige ist, der das in diesem Moment sein kann.
Der Geburtstag Cajeiris, der deshalb zum Staatsakt wird, weil er da offiziell als Erbe eingesetzt wird, verläuft dann schon fast als Ausklang und ergibt ein Happy End, was für die Autorin nicht gerade charakteristisch ist.
Einen losen Faden gibt es allerdings noch: Die Rasse der Kyo, der Bren und die anderen auf ihrer Weltraumreise etliche Bücher zuvor begegnet sind, ist immer noch da draußen und stellt eine latente Gefahr dar. Diesen Faden aufzunehmen, würde nun bedeuten, einen ganz neuen Handlungsabschnitt zu beginnen. Wäre sicher nicht schlecht. Viele Fans würden sich darüber freuen.

2014