Samstag, 28. März 2020

Boundary-Trilogie


Eric Flint & Ryk E. Spoor
Boundary / Treshold / Portal
(Baen Books)

Eine hard SF Trilogie, die wohl wenig Chance hat, auf dem deutschen Buchmarkt aufzutauchen – obwohl Eric Flint durchaus kein Unbekannter mehr ist. Mit „1632“ schuf er den genialen Auftakt zu einer Serie, die inzwischen fast unüberschaubar geworden ist und an der sich eine Reihe anderer Autoren beteiligt. Offenbar ist Flint ein Autor, der sehr gut in Kooperationen arbeitet, denn man findet ihn fast nur in solchen.
Die Trilogie wird bei Lesern, die sich gern mit detaillierten Beschreibungen wissenschaftlicher Zusammenhänge und technischer Vorgänge unterhalten lassen, auf Zuspruch stoßen. Andere werden sagen, dass es die Autoren vielleicht hier und dort übertrieben haben. Da die Handlung in der nahen Zukunft spielt, sind die erwähnten Beschreibungen entweder korrekt oder zumindest mit heutigen Erkenntnissen vorstellbar. Eine wichtige Rolle spielt dabei z.B. die Nanotechnologie.
Leider kommen bei all den Fakten die Personen ein wenig zu kurz. Es gibt etwa 5 – 10 Leute, um die es hauptsächlich geht, wobei sich jedoch kaum ein Hauptcharakter findet. Bis auf sehr wenige bleiben die Figuren auch recht blass. Das macht die Lektüre insgesamt schwierig.
Die Handlung beginnt damit, dass Paläontologen die Überreste eines außerirdischen Wesens finden, das die Erde zur Zeit der Auslöschung der Dinosaurier besuchte. Es ist schon interessant, auf welche Probleme sie dann in der wissenschaftlichen Welt stoßen. Aber schließlich wird die Entdeckung akzeptiert.
Dann findet man im Zuge der Erforschung des Mars auf dem Phobos eine halb zerstörte Basis derselben Außerirdischen und damit geht es dann Schlag auf Schlag. Scheinbar hatten diese Wesen überall im Sonnensystem Stützpunkte, von denen einige noch halbwegs intakt gefunden werden.
Genau das ist das Problem, denn es beginnt ein Wettlauf, diese Orte zu finden und in Besitz zu nehmen. Nicht so sehr zwischen Staaten, eher sind es die privaten Raumfahrtunternehmen, die versuchen, das Rennen um die außerirdische Technologie zu machen. Es kommt sogar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen im Weltraum. In deren Folge stranden die Überlebenden zweier Raumschiffe am Ende des zweiten Bandes auf dem Jupitermond Europa.
Letzten Endes bekommen sie eines der Schiffe wieder hin und kehren zur Erde zurück, nicht ohne vorher in den Tiefen des Europa-Ozeans unter dem Eis Nachfahren der Außerirdischen entdeckt zu haben.
Eins schafft man mit der fortwährenden Beschreibung wissenschaftlicher Forschung und von technischen Details: Fast alles wirkt glaubhaft. Ich konnte mich nur mit der Idee nicht so recht anfreunden, dass man notgedrungen ein 65 Millionen Jahre altes Raumschiff der Aliens wieder flugbereit machen kann, um das andere Schiff zum Jupiter zu verfolgen.
Was übrigens nicht vorkommt, ist so etwas wie ein Stargate – der Titel „Portal“ des dritten Bandes ist da ein wenig irreführend. Ein solches finden die Raumfahrer nirgends.
Also SF im Stile Hogans vielleicht, mit viel science, angereichert mit Wirtschaftsspionage, Raumfahrttechnik und der einen oder anderen Beziehungskiste.

2015

Peacemaker


C. J. Cherryh
Peacemaker
DAW Books, New York 2014
Cover von Todd Lockwood

Am Ende des neuen Buches aus dem „Foreigner-Universum“ stand der Schock: Kann das vielleicht sogar der letzte Teil gewesen sein? Es ist der 15. Band und er endet nicht nur ungewöhnlich versöhnlich für Cherryh, sondern auch noch mit einem geschichtlichen Überblick. Nun ja, nach 15 Romanen kann man die Sache irgendwann auch abschließen.
Jedenfalls spielt sich immer noch alles in den Tagen kurz vor dem wichtigen 9. Geburtstag des Thronerben auf der Welt der Atevi ab. Aber statt sich den Vorbereitungen dieses als Staatsfeiertag geplanten Ereignisses widmen zu können, müssen Bren Cameron und seine Begleiter – einschließlich des Thronerben – erst einmal insgeheim in die Hauptstadt zurück, denn sie wären im letzten Band ja fast Opfer eines weiteren Anschlages geworden. Bren hatte da seine Diplomatenrolle ein wenig beiseitegeschoben und mit seinen Kräften zurückgeschlagen. Nun müssen sie schnell handeln, denn endlich ist herausgekommen, wer hinter all den Problemen der letzten Bände steckte. Tatsächlich ist es eine einzige Person in hochrangiger Stellung in der Assassinen-Gilde, welche bei den Atevi die Exekutive darstellt. Dieser „alte Mann in einem kleinen Büro“ hat seit Jahrzehnten Fäden gesponnen und Pläne geschmiedet, um seine Vorstellungen von einem Atevi-Staat durchzusetzen.
Eine so komplexe Intrige glaubhaft darzustellen und sie dann in einem fulminanten Finale aufzulösen, können sicher nur wenige Autoren so gut wie Cherryh. Wieder muss Bren an vorderster Front stehen, praktisch im Kugelhagel, weil er der Einzige ist, der das in diesem Moment sein kann.
Der Geburtstag Cajeiris, der deshalb zum Staatsakt wird, weil er da offiziell als Erbe eingesetzt wird, verläuft dann schon fast als Ausklang und ergibt ein Happy End, was für die Autorin nicht gerade charakteristisch ist.
Einen losen Faden gibt es allerdings noch: Die Rasse der Kyo, der Bren und die anderen auf ihrer Weltraumreise etliche Bücher zuvor begegnet sind, ist immer noch da draußen und stellt eine latente Gefahr dar. Diesen Faden aufzunehmen, würde nun bedeuten, einen ganz neuen Handlungsabschnitt zu beginnen. Wäre sicher nicht schlecht. Viele Fans würden sich darüber freuen.

2014

The Last Gospel


David Gibbins
The Last Gospel
Headline, London 2008

Den Beschreibungen nach sollte das Buch um den Star-Archäologen Jack Howard - über den es noch weiter Abenteuer gibt - eine Mischung aus Dan Brown und Indiana Jones sein. Tatsächlich war es eine recht langatmige Abhandlung über Religionsgeschichte, die mit unglaubwürdigen Erforschungen vorzugsweise unterirdischer Gänge und Katakomben gemischt wird, durchsetzt von einer Dan Brownschen Schnitzeljagd. Letztere genauso wenig glaubhaft wie beim Vorbild. Als ob ein 2000 Jahre altes Rätsel tatsächlich auch heute noch in allen Bestandteilen erhalten wäre! In der Realität wäre die Spur nie zu verfolgen.
Nun gut, falls man sich eigentlich für die Geschichte des Christentums interessiert, kann man das Buch als unterhaltsames Geschichtsbuch lesen. Vorausgesetzt, man ist in der Lage, Fiktion von echter Historie zu unterscheiden. Leider wird selbst der geschichtliche Teil ziemlich ungeschickt vermittelt. Jack ist ständig dabei, seinem Kollegen Costas das alles haarklein zu erklären. Komisch, denn der ist doch auch Archäologe.
Es geht natürlich wieder mal um Jesus und um eine böse Gruppierung in der Kirche, die das Wissen der Urchristen mit aller Gewalt unterdrücken will. In diesem Fall hat Jesus wohl dem Imperator Claudius das einzige von ihm existierende schriftliche Dokument anvertraut, eben das letzte Gospel oder Evangelium. Eigentlich weist nichts darauf hin, dass der historische Jesus überhaupt schreiben konnte.
Claudius lebte in diesem Buch noch viel langer als in der Wirklichkeit und wurde zu einem der ersten Christen, weil er in seiner Jugend Jesus begegnet war. Wobei die Darstellung von Jesus das Einzige war, was mir an dem Buch wirklich plausibel erschien. Für den Autor ist er ein ganz normaler Mensch. An keiner Stelle kommt etwas Übernatürliches ins Spiel.
Die Kette der erstaunlichen Entdeckungen durch eine einzige Person ist dabei fast noch phantastischer als die Entdeckungen selbst, aber sonst würde ja die ganze Geschichte irgendwie nicht funktionieren.
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Zu viel historische Referate, zu wenig nachvollziehbare Handlung. Ein Angriff auf die Institution Kirche, die so etwas allerdings kalt lassen dürfte. Zu ungeschickt wird er vorgetragen. 

2014